Die Bezeichnung Fachanwalt ist in Deutschland ein einem Rechtsanwalt verliehener Titel, der dem Nachweis dienen soll, auf einem bestimmten Rechtsgebiet über besondere Kenntnisse und Erfahrungen zu verfügen (§ 43c BRAO). Die Voraussetzungen zum Erwerb und Führen des Fachanwaltstitels sind in der Bundesrepublik Deutschland geregelt in der Fachanwaltsordnung (FAO). Voraussetzungen für den Fachanwaltstitel sind eine anwaltsspezifische Fortbildung, schriftliche Prüfungen sowie der Nachweis praktischer Erfahrungen. Auch nach Erwerb der Fachanwaltsbezeichnung muss sich die Rechtsanwältin / der Rechtsanwalt auf dem jeweiligen Rechtsgebiet fortbilden. Man darf maximal drei Fachanwaltsbezeichnungen führen, § 43c Abs.1 BRAO.

Folgende Fachanwaltschaften (Titel) gibt es zurzeit:

  • Fachanwalt für Agrarrecht
  • Fachnwalt für Arbeitsrecht
  • Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
  • Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
  • Fachanwalt für Erbrecht
  • Fachanwalt für Familienrecht
  • Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz
  • Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Fachanwalt für Informationstechnologierecht (Fachanwalt für IT-Recht)
  • Fachanwalt für Insolvenzrecht
  • Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Fachanwalt für Sozialrecht
  • Fachanwalt für Steuerrecht
  • Fachanwalt für Strafrecht
  • Fachanwalt für Transport- und Speditionsrecht
  • Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
  • Fachanwalt für Verkehrsrecht
  • Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Um einen entsprechenden Fachanwaltstitel zu erwerben muss der betreffende Rechtsanwalt innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung mindestens drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen sein und nachweisen, auf dem betreffenden Rechtsgebiet über besondere praktische Kenntnisse und theoretische Erfahrungen zu verfügen. Als Nachweis der besonderen theoretischen Kenntnisse werden die Teilnahme an einem ca. 120 Stunden umfassenden Kurs sowie drei bestandene Leistungskontrollen gefordert. Zum Nachweis der praktischen Erfahrungen ist eine bestimmte Anzahl von bearbeiteten Fällen aus dem jeweiligen Fachgebiet nötig. Die Spanne reicht von 50 Fällen im Steuerrecht oder Informationstechnologierecht bis hin zu 160 Fällen im Verkehrsrecht. Der Rechtsanwalt ist nach dem Erwerb des betreffenden Fachanwaltstitels dazu verpflichtet jährlich auf dem Gebiet der Fachanwaltsbezeichnung fortzubilden, indem er mindestens 10 Seminarstunden hörend oder dozierend ableistet oder wissenschaftliche Publikationen auf dem entsprechenden Fachgebiet verfasst und veröffentlicht.

Die o.g. Fachanwaltsbezeichnungen der Fachanwaltsordnung (FAO) sind bindend. Weitere Fachanwaltstitel gibt es nicht. Folgende beispielhafte Fachanwaltstitel / Fachanwaltsbezeichnungen existieren folglich nicht:

  • Fachanwalt für Unfallrecht
  • Fachanwalt für Verkehrsstrafrecht
  • Fachanwalt für Strafverteidigung
  • Fachanwalt für Bußgeldrecht
  • Fachanwalt für Markenrecht
  • Fachanwalt für Abmahnungen
  • Fachanwalt für Filesharing
  • Fachanwalt für Patenrecht
  • Fachanwalt für Wettbewerbsrecht
  • Fachanwalt für Scheidung
  • Fachanwalt für Vertragsrecht
  • Fachanwalt für E-Commerce-Recht
  • Fachanwalt für Wirtschaftsrecht

Sofern ein Rechtsanwalt entsprechende Fachanwaltsbezeichnungen führen sollte oder damit wirbt, so kann dies regelmäßig als irreführende Werbung ausgelegt werden. So hat beispielsweise das Landgericht Hamburg in zwei Fällen die Werbung im Internet für einen “Fachanwalt für Markenrecht“ oder „Fachanwalt: Markenrecht“ als unlauter und somti als Verstoss gegen das Wettbewebsrecht verboten (LG Hamburg, Beschluss vom 17.03.2009 – 312 O 142/09; Beschluss vom 13.03.2009 – 312 O 128/09).

Die nach der Fachanwaltsordnung (FAO) zugelassenen Fachanwaltsbezeichnungen sind in § 1 FAO abschliessend aufgezählt. Da ein Fachanwalt für Markenrecht dort nicht aufgeführt ist, darf sich ein Rechtsanwalt trotz vorhandener Spezialkenntnisse im Markenrecht nicht als Fachanwalt für Markenrecht bezeichnen. Auch der Titel Fachanwalt für IT-Recht oder Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz berechtigt nicht dazu, sich als Fachanwalt für Markenrecht bezeichnen. Daran ändert auch ein vorhandener Fachanwaltstitel im IT-Recht oder Gewerblichen Rechtsschutz nichts, obwohl für die Verleihung beider Titel besondere Kenntnisse im Markenrecht nachgewiesen werden müssen. Daher sind auch die o.g. nicht in der Fachanwaltsverordnung explizit aufgeführten Fachanwaltsbezeichnungen wie „Fachanwalt für Unfallrecht“, „Fachanwalt für Verkehrsstrafrecht“, „Fachanwalt für Strafverteidigung“, „Fachanwalt für Bußgeldrecht“, „Fachanwalt für Abmahnungen“, „Fachanwalt für Filesharing“, „Fachanwalt für Patenrecht“, „Fachanwalt für Wettbewerbsrecht“, „Fachanwalt für Scheidung“, „Fachanwalt für Vertragsrecht“, „Fachanwalt für E-Commerce-Recht“, „Fachanwalt für Wirtschaftsrecht“ nicht zulässig.

Die sog. Fachanwaltsordnung (FAO) finden Sie u.a. hier.

Sollten Sie Fragen haben, so stehen wir Ihnen als Rechtsanwälte für ein persönliches Gespräch in unseren Kanzleien in Düsseldorf und Solingen gerne zur Verfügung.

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