Geschlossene Fonds sind ein in Deutschland seit Jahren beliebtes Investitionsprojekt. Jährlich werden mehrere Milliarden in diese Projekte investiert. Festzuhalten ist jedoch auch, dass sich für viele Anleger die Investition in geschlossene Fonds als finanzielle Katastrophe herausgestellt hat.

1. Markt im Bereich von geschlossenen Fonds

Der Markt für geschlossene Fonds bietet Anlegern die Möglichkeit sich an Großinvestitionen zu beteiligen. Populär ist die Anlage in Immobilien-, Schiffs-, Film-, Medien- und Flugzeugfonds. In jüngster Zeit erfreuen sich auch Windenergiefonds zunehmender Beliebtheit. Allen gemeinsam ist, dass sie für Anleger überwiegend nachteilig laufen. Ein Fondsanalyst teilte die geschlossenen Fonds wie folgt ein: 5 % bringen Gewinn, 25-30 % richten keinen Schaden an und mit dem Rest erleiden die Anleger Verluste.

2. Die Hintergründe im Bereich der geschlossenen Fonds

Der Bereich der geschlossenen Fonds ist auch heute noch wenig reglementiert (sog. Grauer Kapitalmarkt). Aus diesem Grunde und aufgrund der hohen Vertriebsprovisionen sehen sich geschlossene Fonds seit jeher harter Kritik ausgesetzt. Das Handelsblatt betitelte geschlossene Fonds sogar als „schlechtesten Geldanlage der Welt“. Vielen Anlegern ist grundsätzlich gar nicht klar, an was sie beteiligt sind. Als wichtigen Teil unserer Tätigkeit sehen wir auch die Beratung unserer Mandanten mit den entsprechenden Informationen.

3. Was sind geschlossene Fonds?

Geschlossene Fonds, also Unternehmensbeteiligungen, die unterschiedlichste Investitionsvorhaben verfolgen, spielen bei den von Banken, Sparkassen und sonstigen Beratern empfohlenen Kapitalanlagen nach wie vor eine große Rolle. Einige Beispiele wären:

Die Palette möglicher Investitionen ist weit.

Die Einlagesumme kann entweder komplett aus Eigenkapital erbracht werden oder auch durch Fremdkapital. Bei einigen Fonds ist eine (Teil-)Finanzierung sogar obligatorisch. Wie der Name „geschlossener Fonds“ bereits vermuten lässt, werden die Anteile nur angeboten bis das vorher festgelegt (Eigen-)Kapital des Fonds beschafft wurde, dann wird der Fonds geschlossen. Einmal geschlossen gibt es so gut wie keinen Zweitmarkt. Das eingesetzte Kapital an geschlossenen Fonds ist daher langfristig dort auch gebunden und dies für meistens mehr als 10 Jahre.

4. Risiken geschlossener Fonds

Folgende Risiken geschlossener Fonds können stichpunktmäßig festgehalten werden:

  • Insolvenz des Fonds und damit Totalverlust
  • die haftungsrechtlichen Gesichtspunkte im Zusammenhang mit dem Erwerb von Anteilen an der KG-Beteiligung, insbesondere bei finanzierten Einlageanteil der Beteiligungssumme
  • Gefahr von Nachschusspflichten durch gewinnunabhängige Entnahmen
  • unklare Vertragsstrukturen
  • fondsinterne Interessenkollisionen / wirtschaftliche und personelle Verpflechtungen
  • fehlende Transparenz
  • Schlüsselpersonenrisiko
  • fehlende Werthaltigkeit des Anlageobjektes z.B. aufgrund hoher Weichkosten
  • Wertverlust des Anlageobjektes z.B. aufgrund der Marktsituation
  • Änderung  der steuerlichen Beurteilung des Finanzamtes und damit Steuernachzahlungen, die zusätzlich mit 6 % p.a. zu verzinsen sind
  • die eingeschränkte Fungibilität
  • Misswirtschaft im Fonds selbst
  • Einflussnahme auf die Geschicke des Fonds von Anlegerseite regelmäßig begrenzt
  • mögliche Klage gegen alle Gesellschafter, wenn Beschlüsse angegriffen werden
  • Gefahren des konkreten geschlossenen Fonds, wie z.B. Vermietungsrisiko z.B. bei Immobilienfonds, Bonitäts- oder Charterrisiko z.B. bei Schiffsfonds oder Währungsrisiko bei z.B. Lebensversicherungsfonds

5. Risiken unter der Lupe

5.1 Keine Einlagensicherung

Eine Absicherung der vom Anleger getätigten Einlagen, wie es sie zum Beispiel bei Termingeldern über so genannte Einlagensicherungsfonds gibt, existiert bei geschlossenen Fonds nicht. Das Risiko eines Totalverlustes der Einlage ist also, wie bei jeder anderen unternehmerischen Beteiligung auch, immer vorhanden. So können wirtschaftliche Fehlentwicklungen innerhalb des Fonds – zum Beispiel durch den Ausfall von Mietern bei einem geschlossenen Immobilienfonds oder den Unfall eines Schiffes bei einem Schiffsfonds – dazu führen, dass sich die Beteiligung nicht wie im Prospekt beschrieben entwickelt, sondern Verluste eingefahren werden, die im Extremfall zum Totalverlust der Einlage des Anlegers führen. Dies ist aber kein explizites Risiko geschlossener Fonds, sondern eine Eigenheit jeder unternehmerischen Beteiligung. Geschlossene Fonds eignen sich daher grundsätzlich für regelmäßig spekulativ eingestellte Anleger mit einem entsprechenden Risikoprofil.

5.2 Totalverlustrisiko

Für geschlossene Fonds gilt keinerlei Einlagensicherungsfonds. Bei Pflichtverstößen oder Fehlern der Fondsmanager haftet meist nur deren Eigenkapital. Der Abschluss von Versicherungen nimmt zu, ist aber noch nicht verbreitet. Es kann insbesondere im Zuge einer ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung zum Totalverlust des Investments kommen. Ein weiterer Risikofaktor sind betrügerische Absichten der Beteiligten.

5.3 Haftungsrisiko

Als Kommanditist haftet der Zeichner eines geschlossenen Fonds mit dem gesamten Kapital, das er eingezahlt hat. Ist im Vertrag von einer Nachschusspflicht die Rede, sollten Anleger besonders vorsichtig sein. Wird bei einer Gesellschafterversammlung beschlossen, dass die Teilhaber Geld nachzahlen müssen, kann es teuer werden. Im Bereich des grauen Kapitalmarkts werden immer wieder atypisch stille Beteiligungen angeboten. Hier reicht die Haftung noch weiter: Schlimmstenfalls müssen die Zeichner mit ihrem Privatvermögen geradestehen. Bei jeder Beteiligung an einem geschlossenen Fonds in Form einer GmbH & Co. KG ist besteht zudem die sog. Gefahr des Wiederauflebens der Kommanditistenhaftung.

Wen kann ich als Anleger einer geschlossenen Beteiligung haftbar machen?

  • Initiatoren
  • Hintermänner
  • Gründungsgesellschafter
  • Anlageberater
  • Anlagevermittler
  • Prospektprüfer
  • Mittelverwendungskontrolleur
  • finanzierende Banken bei einem Widerruf

6. Haftung bei falscher Beratung

Unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung des Fonds bestehen Schadensersatz- und Regressansprüche des Anlegers, wenn er bei Zeichnung von seiner Bank bzw. seinem Anlageberater falsch beraten worden ist. Sollten Anleger von ihrem Anlageberater oder von ihrer Bank nicht umfassend über die Risiken der Anlage aufgeklärt worden sein, so bestehen grundsätzlich Schadensersatzansprüche. Des Weiteren besteht für die Anleger die Möglichkeit, gegen die Initiatoren der Fonds und gegen den Vertrieb Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Für den Anleger besteht die Möglichkeit, das gesamte Geld inklusive Zinsen wieder zu erhalten und von jeden Forderungen von Dritten frei gesprochen zu werden. Die Schadensersatzansprüche können sich darüber hinaus aus Prospekthaftung ergeben.

In Bezug auf die beratenden Banken bzw. Anlageberater wird regelmäßig ein zumindest konkludenter (stillschweigender) Beratungsvertrag geschlossen worden sein, mit dem umfangreiche Beratungspflichten einhergehen. Ein Beratungsvertrag kommt nach ständiger Rechtsprechung des BGH zustande, wenn – gleichgültig auf wessen Initiative – im Zusammenhang mit einer Anlageentscheidung tatsächlich eine Beratung stattfindet. Dies gilt insbesondere dann, wenn deutlich wird, dass der Beratene die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des Beraters in Anspruch nehmen will (st. Rspr. des BGH, so in BGH, Urt. v. 04.03.1987, Az. IVa ZR 122/85, BGHZ 100, 117, 118 f.; BGH, Urt. v. 06.07.1993, Az. XI ZR 12/93, BGHZ 123, 126, 128; BGH, 24.09.2002, AZ. XI ZR 345/01, WM 2002, 2281; 2283). Eine Beratung setzt sich zusammen aus einem informatorischen Teil über anlagerelevante Information und einem empfehlenden Teil, bei dem die mitgeteilten Tatsachen vor dem Hintergrund der finanziellen Ziele und persönlichen Anlagesituation des Kunden fachmännisch interpretiert werden (BGH; Urt. v. 25.11.1981, Az. IVa ZR 286/80, WM 1982, 90, 90). Im Rahmen von Anlagebratungsverträgen bestehen umfassende Aufklärungs- und Informationspflichten des Anlageberaters gegenüber dem jeweiligen Kapitalanleger. Der Bundesgerichtshof hat in der sog. „Bond-Entscheidung“ dieses Aufklärungs- und Informationspflichten unter der Bezeichnung „anleger- und objektgerechte Beratung“ zusammenfassend dargestellt. Danach sind bei der Anlageberatung einerseits die Umstände in der Person des Kunden, zu denen insbesondere dessen Wissenstand über Anlagegeschäfte der vorgesehenen Art und dessen Risikobereitschaft gehören, zu berücksichtigen („anlegergerechte Beratung“). Andererseits hat sich die Beratung in Bezug auf das Anlageobjekt auf diejenigen Eigenschaften und Risiken zu beziehen, die für die jeweilige Anlageentscheidung wesentlich Bedeutung haben oder haben können („objektgerechte Beratung“). Dementsprechend waren Sie verpflichtet, unseren Mandanten umfassend über alle Einzelheiten und Risiken der empfohlenen Anlage aufzuklären. Dem Anleger muss mithin für seine Beitrittsentscheidung ein richtiges Bild über das Beteiligungsobjekt vermittelt werden, d. h. er muss über alle Umstände, die für seine Anlageentscheidung von wesentlicher Bedeutung sind oder sein können, insbesondere über die mit der angebotenen speziellen Beteiligungsform verbundenen Nachteile und Risiken, zutreffend, verständlich und vollständig aufgeklärt werden (BGHZ 79, 337, 344; BGH, Sen. Urt. v. 7. April 2003 – II ZR 160/02, WM 2003, 1086, 1088; v. 7. Dezember 2009 – II ZR 15/08, ZIP 2010, 176 Tz. 18; v. 22. März 2010 – II ZR 66/08, WM 2010, 972 Tz. 9). Zu dieser Aufklärung gehört neben der Aufklärung über die anlegespezifischen Risiken (s.o.) auch die Aufklärung über Rückvergütungen / Provisionen / Kick-Back-Zahlungen. Hierbei haben beratende Banken immer die Pflicht explizit über das Bestehen sowie die konkrete Höhe der Kick-Back-Zahlungen aufzuklären (BGH, Urteil v. 08.05.2012, XI ZR 262/10). Freie Berater haben dagegen eine entsprechende Aufklärungspflicht erst bei einem Schwellenwert von 15 % Vertriebsprovisionen BGH, Az. III ZR 355/02 und III ZR 359/02). Ab diesem Wert sollte die Pflicht bestehen, über Innenprovisionen zu informieren. Deshalb kann im Fall der Zahlung von versteckt geflossenen Innenprovisionen (Kick-back) und mangelnder Information hierüber der Anleger verlangen, so gestellt zu werden, als hätte er die Beteiligung nicht geschlossen.

Lassen sich Beratungsfehler feststellen, hat der Anleger z.B. bei geschlossenen Fonds in der Regel folgende Ansprüche:

  • Rückzahlung des eingezahlten Kapitals,
  • entgangenen Gewinn auf das in dem Fonds gebundene Kapital,
  • Freistellung von sämtlichen Schäden, die aus den Kapitalanlagen resultieren,
  • Freistellung von der Zahlungspflicht gemäß § 172 Abs.4 HGB,
  • Freistellung von wirtschaftlichen Schäden aus einer etwaigen Inanspruchnahme Dritter gemäß § 171 HGB
  • Erstattung der außergerichtlichen Rechtsverfolgungskosten

Hilfe für Anleger nach Falschberatung

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Bitte fragen Sie nicht selbst nach, da die Versicherer Anfragen von Kunden erfahrungsgemäß oft unter Berufung auf Ausschlussklauseln, die letztlich nicht einschlägig sind abweisen möchten.

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